Nicole Mayer Consulting + Coaching
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Impuls · Führung & Verantwortung

Wir reden ständig über Motivation. Doch: Stellen wir überhaupt die richtigen Fragen?

Warum ich glaube, dass wir Entwicklung in Unternehmen neu denken müssen.

Von Nicole Mayer

Wir diskutieren über Motivation, Leistungsbereitschaft und Eigenverantwortung.

Dafür entwickeln wir immer neue Benefits (Obstkorb!), organisieren Workshops und investieren in Führungskräfteentwicklung. Und trotzdem höre ich in Unternehmen immer wieder dieselben Sätze:

→ „Unsere Mitarbeitenden wollen keine Verantwortung mehr übernehmen.“

→ „Die Eigeninitiative fehlt.“

→ „Früher waren die Menschen motivierter.“

Kennen Sie das? Ich auf alle Fälle. Seit beinahe zwei Jahrzehnten begleite ich Unternehmen, Führungskräfte und Teams und je länger ich das tue, desto häufiger stelle ich mir eine Frage:

Was wäre, wenn wir manchmal versuchen, ein Problem zu lösen, dessen Ursache wir noch gar nicht verstanden haben?

Wann haben wir eigentlich aufgehört, Fragen zu stellen?

Wir Menschen sind erstaunlich schnell darin, Verhalten zu bewerten. Vielleicht erkennen Sie einige der Beispiele aus Ihrem täglichen Tun:

  • Jemand übernimmt keine Verantwortung? → Fehlende Motivation.
  • Jemand bringt keine neuen Ideen ein? → Mangelnde Eigeninitiative.
  • Jemand lehnt eine berufliche Entwicklungsmöglichkeit ab? → Fehlender Ehrgeiz.

Ist doch glasklar und logisch oder?

Doch halt: Ist es tatsächlich so einfach?

Was mich an meiner Arbeit schon immer fasziniert, sind die unzähligen Geschichten hinter dem offensichtlichen Verhalten. Ich bin überzeugt davon, dass Menschen nicht im luftleeren Raum handeln. Jeder einzelne bringt Erfahrungen, Überzeugungen und Erwartungen mit. Und nicht selten sind da auch (meist unausgesprochene) Ängste mit an Bord, die wir auf den ersten Blick gar nicht erkennen (können).

Und trotzdem glauben wir viel zu oft, schon nach wenigen Beobachtungen zu wissen, worin der Kern eines Problems oder einer Herausforderung liegt.

Wir sind ganz schnell mit Antworten und gleichzeitig oft erschreckend langsam mit den richtigen Fragen.

Was wäre, wenn wir Entwicklung völlig falsch betrachten?

Ich bin felsenfest überzeugt davon, dass jeder Mensch Entwicklungspotenzial in sich trägt und wir genau dieses Potenzial in Unternehmen häufig unterschätzen oder gar übersehen. Nicht unbedingt, weil wir es nicht erkennen. Sondern weil wir viel zu schnell davon ausgehen, dass Menschen ihre Möglichkeiten auch tatsächlich ausschöpfen können.

Wir sprechen von Potenzialentwicklung, Talentförderung und lebenslangem Lernen. Aus Mehr soll auch ein Mehr werden. Ständig fragen wir uns: Wo braucht es noch mehr?

Doch vielleicht sollten wir unsere Fragestellungen überdenken. Wie wär’s mit:

  • Was hält Menschen eigentlich davon ab, ihre Fähigkeiten einzubringen?
  • Was lässt einen engagierten Mitarbeitenden irgendwann verstummen?
  • Warum hört jemand auf, Ideen einzubringen?
  • Warum wird aus Begeisterung plötzlich Zurückhaltung?

Und vor allem: Warum interpretieren wir diese Zurückhaltung so häufig als mangelnde Motivation oder fehlenden Willen?

Vielleicht sollten wir nicht immer zuerst fragen, was Menschen fehlt. Sondern was ihrer Entwicklung im Weg steht.

Führung beginnt für mich nicht mit Antworten.

Wer mich kennt, weiß: Ich stelle gerne Fragen. Manchmal auch welche, die richtig unbequem sind. Die können im ersten Moment schon mal für Stirnrunzeln sorgen.

Ich will nicht um der Provokation willen provozieren. Ich denke nur, dass genau dort neue Perspektiven entstehen.

In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie sich Gespräche verändern, sobald wir aufhören, ausschließlich über vermeintliche Defizite von Menschen zu sprechen. Plötzlich entstehen andere Fragen und Sichtweisen. Ja, oft auch Erkenntnisse, mit denen niemand gerechnet hätte.

Genau deshalb beschäftigt mich seit einiger Zeit eine grundlegende Frage besonders intensiv:

Was wäre, wenn wir in Unternehmen nicht mehr zuallererst fragen, warum Menschen etwas nicht tun, sondern warum sie es unter den gegebenen Umständen nicht tun?

Das ist keine Aufforderung, Menschen aus ihrer Eigenverantwortung zu entlassen, ganz im Gegenteil. Es ist eine Einladung, genauer hinzusehen.

Denn Führung bedeutet für mich auch, die eigenen Erklärungen immer wieder infrage zu stellen.

Ich schreibe wieder. Und diesmal wird es grundsätzlich.

Diese und viele weitere Fragen begleiten mich derzeit auch abseits meiner Keynotes und Workshops. Denn ich arbeite an meinem nächsten Buch.

Versprochen: Es wird definitiv nicht das nächste klassische Methodenbuch mit zehn Tipps für bessere Führung sein. Vielmehr möchte ich dazu einladen, unsere gewohnten Vorstellungen von Menschen, Unternehmen und Führung zu hinterfragen.

Es geht um Erfahrungen aus beinahe zwei Jahrzehnten Unternehmensberatung. Um Beobachtungen, die mich bis heute beschäftigen. Um Zusammenhänge, die wir im Businessalltag möglicherweise viel zu selten hinterfragen.

Und nein, ich habe nicht auf alles eine Antwort. Schon Sokrates war sich sicher: “Wer fragt, der führt.” Ich bin eine absolute Verfechterin dieser Haltung: Mit besseren Fragen kommen wir oft sehr viel weiter als mit den schnellsten Antworten.

Mehr über das Buch verrate ich zu einem späteren Zeitpunkt. Nur soviel jetzt schon: Es wird klare Standpunkte geben. Unbequeme Fragen und vermutlich die eine oder andere Aussage, die zum Widerspruch einlädt. Genau dort beginnt für mich neues Denken.

Mit dem Mut, eine Frage zu stellen, die wir uns bisher vielleicht nicht zu stellen getraut haben.

Eine Frage an Sie zum Schluss:

Wann haben Sie zuletzt das Verhalten eines Mitarbeitenden hinterfragt, anstatt es sofort zu bewerten?

Nicht nur weiterlesen

Manche Gedanken brauchen ein Gespräch.

Vielleicht hat ein Thema bei Ihnen einen Nerv getroffen. Vielleicht erkennen Sie eine Situation aus Ihrem Unternehmen oder Ihrem eigenen Business wieder. Und vielleicht reicht es nicht, noch einen Artikel darüber zu lesen.

Wenn Sie einen klaren Blick von außen, ehrliche Fragen und eine Sparringspartnerin suchen, die auch die unbequemen Zusammenhänge anspricht, sollten wir miteinander reden.

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